Die Haut
Die Haut ist das größte Organ des Menschen. Abhängig von der Körpergröße und vom Körpergewicht beträgt ihre Oberfläche 1,5 bis 2 Quadratmeter. Die Haut besitzt im Durchschnitt eine Masse von 14 Kilogramm (ohne Unterhaut) und macht damit etwa 20 Prozent des Körpergewichts aus.
Allgemeines
Zusammen mit den sogenannten Hautanhangsgebilden wie Haaren, Nägeln, Schweiß-, Duft- und Talgdrüsen prägt die Haut das einzigartige Erscheinungsbild des Menschen und erfüllt außerdem eine Vielzahl von Aufgaben:
- Schutz: Die Haut schirmt das Körperinnere vor äußeren Einflüssen ab.
- Wärmeregulation: Indem sich Blutgefäße der Haut verengen oder erweitern und Flüssigkeit über die Haut abgegeben werden kann (Schwitzen), lässt sich die Körpertemperatur regeln.
- Wasserhaushalt: Die Haut schützt den Körper davor, zu viel Flüssigkeit zu verlieren und lässt gleichzeitig einen gezielten Flüssigkeitsverlust zu (z.B. indem sie Flüssigkeit und Salze abgibt).
- Sinne: z.B. durch Wahrnehmung von Wärme oder Kälte, Berührungen, Schmerzen
- Immunabwehr: In der Haut finden sich viele Zellen des Immunsystems, wie Mastzellen, Langerhans-Zellen und T-Zellen.
- Informationsaustausch durch Körpersignale: Ausdruck einer emotionalen Reaktion kann das Erröten oder Erblassen sein, dass durch eine Erweiterung oder Verengung der Hautblutgefäße vor allem im Bereich von Gesicht, Hals und Dekolleté entsteht.
Die Haut besteht aus verschiedenen Schichten, die unterschiedliche Funktionen erfüllen. Man unterscheidet beim Aufbau:
- Oberhaut (Epidermis)
- Lederhaut (Dermis)
- Unterhaut (Subkutis)
Jede Hautschicht erfüllt verschiedene Funktionen. Während die Unterhaut hauptsächlich als Fettspeicher fungiert, bildet die Oberhaut eine schützende Hornschicht. In der Lederhaut befinden sich wichtige Strukturen, welche unter anderem für den Tastsinn verantwortlich sind. In der Oberhaut und der oberen Lederhaut finden sich außerdem T-Zellen (spezielle Zellen des Immunsystems).
Oberhaut (Epidermis)
Der äußerlich sichtbare Teil der Oberhaut (Epidermis) besteht aus einer Hornschicht, die hauptsächlich von den sogenannten Keratinozyten (hornbildende Zellen) gebildet wird. Durch Schuppung und Nachbildung wird diese Schicht laufend ersetzt. In den untersten Zelllagen werden regelmäßig neue Keratinozyten gebildet, welche innerhalb von 30 Tagen an die Oberfläche gelangen, dabei immer mehr verhornen und schließlich als Hornschuppen abgestoßen werden.
An ihrer dicksten Stelle, wie zum Beispiel an den Schwielen von Fußsohlen, ist die Oberhaut bis zu zwei Millimeter dick. Durchschnittlich hat sie jedoch einen Durchmesser von 0,05 Millimetern.
Die Oberhaut ist von innen nach außen in fünf Schichten untergliedert:
- Basalzellschicht (Stratum basale): In der Basalzellschicht erfolgt durch Zellteilung die Neubildung der Keratinozyten aus Stammzellen. Aus der Basalzellschicht entsteht über mehrere Stufen der Regeneration laufend eine neue Hornschicht. In der Basalzellschicht sind Melanozyten und Merkel-Zellen eingelagert. Die Melanozyten bilden das Pigment, welches für die Färbung und Bräunung der Haut verantwortlich ist: das Melanin. Die Merkel-Zellen sind mit Nervenfasern verbunden und vermitteln einen Teil des Tastsinns. In Handflächen und Fußsohlen kommen sie häufiger vor als in anderen Körperbereichen.
- Stachelzellschicht (Stratum spinosum): In der Stachelzellschicht sind die Keratinozyten netzartig über Haftzonen (Desmosomen) miteinander verbunden. In dieser Schicht kann es bei Hauterkrankungen zu Wasseransammlungen und damit zur Blasenbildung kommen. Hier finden sich auch Langerhans-Zellen, die zum Immunsystem gehören.
- Körnerzellschicht (Stratum granulosum): Die in der Körnerzellschicht befindlichen Keratinozyten enthalten zunehmend sog. Keratohyalinkörner, welche die fortschreitende Verhornung bewirken.
- Stark lichtbrechende Schicht, Glanzschicht (Stratum lucidum): Das Stratum lucidum findet sich nur an dickeren Teilen der Oberhaut, z.B. an den Handflächen und Fußsohlen. Diese Schicht ist sehr schmal, Zellgrenzen oder Zellkerne sind nicht mehr zu erkennen.
- Hornschicht (Stratum corneum): In der Hornschicht verklumpen die aus den Keratinozyten hervorgegangenen Hornzellen mit Hornsubstanzen der Haut. Anschließend werden die Hornschuppen abgestoßen. Bis die Zellen vom unteren Ende der Hornschicht an die Oberfläche gelangen und abgestoßen werden, vergehen etwa zwei Wochen. Die Hornschicht lässt Wasser und wasserlösliche Substanzen kaum durch. Niedermolekulare Stoffe können sie jedoch durchdringen. Diese Barriere wird geschwächt, wenn die Haut sehr lange Wasser ausgesetzt ist.
Lederhaut (Dermis)
Die Lederhaut (Dermis) befindet sich zwischen Ober- und Unterhaut und ist fest mit der Oberhaut verbunden. Sie besteht aus einem dichten Netz elastischer und kollagener Fasern, das der Haut ihre Reißfestigkeit und elastische Verformbarkeit gibt. Aus der Lederhaut von tierischen Häuten wird beispielsweise Leder gewonnen.
In der Lederhaut befinden sich Blut- und Lymphgefäße, Nerven, Zellen der Immunabwehr, Haarwurzeln und eine Vielzahl von Hautdrüsen sowie Druckrezeptoren für den Tastsinn (Meissner-Tastkörperchen). Meissner-Tastkörperchen sind vor allem im Bereich der Fingerbeeren anzutreffen.
Die Lederhaut ist in zwei Schichten unterteilt:
- Papillarschicht (Stratum papillare): Die Papillarschicht liegt der Epidermis direkt an und ragt zapfenartig in sie hinein. In der Papillarschicht finden sich viele kleine Blutgefäße (Kapillaren) sowie Melanozyten. Aber auch spezielle Zellen des Immunsystems (Mastzellen) treten hier in großer Zahl auf.
- Geflechtschicht (Stratum reticulare): Die Geflechtschicht besteht vor allem aus festeren Kollagenfaserbündeln. Sie folgt auf die Papillarschicht und grenzt unmittelbar an die Unterhaut.
Unterhaut (Subcutis)
Die Unterhaut (Subcutis) besteht aus lockerem Binde- und Fettgewebe und verbindet die Haut mit darunter liegenden Strukturen. Das Unterhautfettgewebe besteht aus einer festen Anzahl von Fettzellen. Diese enthalten abhängig vom Ernährungszustand unterschiedlich große Fetttropfen. Das Fett dient als Energiespeicher und Wärmeisolator. Die Unterhaut ermöglicht zudem die Verschiebbarkeit der Haut. Kommt es zur krankhaften Ansammlung von Wasser (Ödembildung), erfolgt die Flüssigkeitseinlagerung in dieser Schicht.
Weitere Strukturen, die in der Unterhaut vorkommen, sind:
- Nerven
- Blutgefäße
- Haarwurzeln
- Drüsen
- glatte Muskelzellen (an manchen Stellen)
- Vater-Pacini-Lamellenkörperchen (Nervenfasern, die Vibration wahrnehmen)
Hautanhangsgebilde: Haare, Nägel und Drüsen
Hautanhangsgebilde sind Ausbildungen der Haut. Zu ihnen zählt man:
- Haare
- Nägel
- Schweiß-, Duft- und Talgdrüsen
Haare (Pili)
Bis auf wenige Stellen kommen Haare auf dem gesamten Körper vor. Eine Ausnahme bilden:
- Handflächen
- Fußsohlen
- Lippen
- Teile der Geschlechtsorgane
Haare lassen sich unterscheiden in Terminalhaare und Wollhaare. Terminalhaar ist in der Regel eher länger und kräftiger. Pigmente geben dem Terminalhaar eine individuelle Haarfarbe. Zu den Terminalhaaren zählen:
- Kopfhaare
- Wimpern
- Augenbrauen
- Schamhaare
- Barthaare
- Brusthaare (beim Mann)
- Achselhaare
- Nasenhaare
- Haare im äußeren Gehörgang
Die restliche Körperbehaarung besteht aus dem sogenannten Wollhaar (Vellushaar), das im Vergleich zum Terminalhaar normalerweise recht kurz, farblos und eher dünn ist.
Der sichtbare Teil des Haars ist der Haarschaft. Er besteht aus vollständig verhornten Zellen, vor allem aus Keratin. In der Haut befindet sich der Haarfollikel, eine Hauteinstülpung, in dem das Haar befestigt ist. Im Haarfollikel setzt sich das Haar fort. Es folgt erst eine keratogene Zone, in der die Haarzellen immer mehr Keratin bilden, bis sie ausgereift sind, und schließlich die Haarwurzel und der Haarbulbus. Der Haarbulbus bildet neue Keratinozyten aus, die schließlich zu neuen Zellen des nachwachsenden Haares werden.
Das Alter von Haaren ist begrenzt. Im Durchschnitt fallen Kopfhaare nach zwei bis sechs Jahren aus, Wimpern bereits nach drei bis sechs Monaten. Den Wachstumszyklus der Haare unterteilt man in verschiedene Phasen:
- Anagenphase (Haarwachstum): Die meiste Zeit ihres Wachstumszyklus befinden sich Haare in der Anagenphase, wobei Kopfhaare pro Monat circa einen Zentimeter wachsen.
- Katagenphase (Übergangsphase): In der Katagenphase stoppt die Zellteilung der Haarzellen. Diese Phase ist meist recht kurz.
- Telogenphase (Ruhephase): In der Telogenphase wachsen die Haare nicht mehr. Bei Kopfhaaren beträgt diese Phase zwischen zwei und vier Monaten.
Nach der Telogenphase fällt ein Haar aus, wenn ein neues Haar nachwächst und das alte Haar aus dem Haarfollikel rausschiebt.
Nägel (Ungues)
Nägel schützen die Endbereiche der Finger und Zehen. Finger- und Zehennägel bestehen aus einer etwa 0,5 Millimeter dicken Nagelplatte (Hornplatte), die im Nagelbett befestigt ist. Das Nagelbett bezeichnet den Bereich der Haut, auf dem die Nagelplatte aufliegt.
Die Nagelplatte besteht aus Hornschuppen, die dachziegelartig angeordnet sind. Zytokeratine versteifen die Hornschuppen und bewirken die Festigkeit der Nagelplatte. Zu den Seiten und zur Wachstumszone der Hornplatte hin ist der Nagel vom Nagelwall umgeben. Dieser bildet zur Nagelwurzel hin eine Einstülpung (Nageltasche), die etwa einen halben Zentimeter tief ist. Von dieser Nageltasche aus bildet sich ein kleines Häutchen (Eponychium), das den Nagelansatz bedeckt.
Zur Nagelwurzel hin befindet sich im Nagelbett die Wachstumszone oder keratogene Zone des Nagels. Sie ist als halbmondförmige Zone (Lunula) durch den Nagel hindurch zu erkennen.
Fingernägel wachsen etwa dreimal so schnell wie Zehennägel: Pro Woche bilden sich etwa 0,5 bis 1,5 Millimeter Fingernagel neu. Bis ein Fingernagel vollständig nachgewachsen ist, dauert es etwa drei bis vier Monate.
Drüsen
Zu den Hautanhangsgebilden zählen auch die Drüsen der Haut, wie Talg-, Schweiß-, und Duftdrüsen.
Talgdrüsen findet man vor allem in behaarten Hautregionen. Der Talg, den sie abgeben, hält Haut und Haare geschmeidig und gibt Haaren Glanz. Gleichzeitig dient Talg auch dem Schutz der Haut, indem er Teil des Säureschutzmantels ist. Bei Wärme produzieren die Talgdrüsen in der Regel mehr Talg beziehungsweise bei Kälte weniger, weshalb viele Menschen im Winter vermehrt mit trockener Haut zu kämpfen haben.
Schweißdrüsen kommen fast in allen Hautbereichen vor, vor allem jedoch im Bereich der Stirn, Handflächen und Fußsohlen. Frei von Schweißdrüsen sind dagegen die Lippen und die Penisvorhaut. Insgesamt finden sich circa zwei bis vier Millionen Schweißdrüsen in der Haut. Sie bilden den salzigen Schweiß, der zum einen der Temperaturregulation des Körpers dient und zum anderen zum Säureschutzmantel der Haut beiträgt.
Duftdrüsen sind nicht in allen Hautregionen vertreten. Man findet sie hauptsächlich in der Achselhöhle, im Genital- und Analbereich sowie bei Frauen im Warzenhof der Brustwarze. Duftdrüsen sind durch Sexualhormone gesteuert und nehmen ihre Tätigkeit erst mit Beginn der Pubertät auf.