Junge Frau ist bei ihrer Hausärztin und lässt den Check-up 35 machen
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Check-up 35: Was wird gemacht?

Von: Dagmar Schüller (Medizinredakteurin)
Letzte Aktualisierung: 12.01.2022

Ab dem 35. Lebensjahr übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen der Früherkennungs- und Vorsorgemaßnahmen die Kosten für einen sogenannten Gesundheits-Check-up. Wo der Check-up 35 durchgeführt wird und welche Leistungen er umfasst, erfahren Sie hier.

Häufig gestellte Fragen und Antworten zum Check-up

Der Gesundheits-Check-up umfasst eine körperliche Untersuchung, Blutdruckmessung, Blut- und Urinanalysen sowie eine Anamnese zur Erkennung von Herz-Kreislauf-, Nieren- und Diabeteserkrankungen.

Ziel des Gesundheits-Check-ups

Der Gesundheits-Check-up dient der Früherkennung chronischer Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder Funktionsstörungen der Nieren. Auch andere gesundheitliche Risiken lassen sich frühzeitig identifizieren – oft noch bevor erste Beschwerden auftreten.

Dabei geht es nicht nur um die Diagnose bestehender Krankheiten. Vielmehr steht die Vorsorge im Vordergrund: Durch gezielte ärztliche Beratung lassen sich individuelle Risikofaktoren aufdecken und passende Präventionsempfehlungen ableiten. In der Regel führt die*der Hausärztin*Hausarzt den Check-up durch.

Ziel ist es, Folgeerkrankungen zu vermeiden und die Gesundheit langfristig zu fördern – bei Frauen wie Männern.

Wie oft bezahlt die Krankenkasse den Check-up?

Der Gesundheits-Check-up wird ab dem 35. Lebensjahr alle drei Jahre von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Zwischen 18 und 34 Jahren können Versicherte die Untersuchung einmal in Anspruch nehmen.

Ablauf des Check-ups

Beim Gesundheits-Check-up folgt die*der Ärztin*Arzt einem festgelegten Ablauf. Die Maßnahme besteht aus mehreren Schritten.

Zu Beginn steht ein ausführliches ärztliches Gespräch. In der Anamnese geht es um das allgemeine Befinden, eventuelle Vorerkrankungen und Operationen sowie regelmäßig eingenommene Medikamente. Auch Fragen zum Lebensstil gehören dazu, zum Beispiel:

  • Rauchen Sie?
  • Wie ernähren Sie sich?
  • Treiben Sie regelmäßig Sport?

Außerdem wird erfragt, ob bestimmte Erkrankungen in der Familie gehäuft vorkommen. Dazu zählen beispielsweise Diabetes mellitus, HepatitisHerzinfarkt, Schlaganfall oder Krebserkrankungen.

Ein weiterer Bestandteil ist die körperliche Einschätzung (Ganzkörperstatus). Ergänzend erfolgen Messungen wie die Blutdruckkontrolle und eine Laboruntersuchung von Blut sowie Urin, um den allgemeinen Gesundheitszustand zu beurteilen.

Inhalte des Check-ups

Nach dem Gespräch wird der körperliche Status dokumentiert. Dazu gehören zum Beispiel das Abhorchen von Herz und Lunge sowie das Messen von Blutdruck und Puls. Auf diese Weise können Erkrankungen wie eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) oder Hypertonie (Bluthochdruck) erkannt oder ausgeschlossen werden.

Die anschließende Laboruntersuchung dient der Bestimmung wichtiger Blut- und Urinwerte. So kann etwa ein erhöhter Blutzuckerspiegel auf Diabetes mellitus hinweisen. Auch Nierenerkrankungen lassen sich frühzeitig entdecken.

Zusätzlich werden die Cholesterinwerte überprüft. Erhöhte Werte können auf eine unausgewogene Ernährung, Übergewicht oder eine genetisch bedingte Fettstoffwechselstörung hindeuten. Sie gelten als Risikofaktoren für Arteriosklerose, Herzinfarkt oder Schlaganfall und sollten entsprechend behandelt werden.

Außerdem sollte man den Impfpass mitbringen, damit die*der Ärztin*Arzt den aktuellen Impfstatus überprüfen kann.

Hinweise zur Blutabnahme

Zur Blutentnahme sollten Sie in der Regel nüchtern erscheinen. Das bedeutet:

  • 8 bis 10 Stunden vor dem Termin nichts essen,
  • nur kleine Mengen Wasser trinken (manche Praxen erlauben ungesüßten schwarzen Kaffee).

Bei Unsicherheiten, was genau als nüchtern gilt, sollte vorab mit der Praxis gesprochen werden.

Gespräch über die Ergebnisse des Check-up

Im abschließenden Gespräch werden die Untersuchungsergebnisse gemeinsam besprochen. Die*der Ärztin*Arzt erstellt dabei ein persönliches Risikoprofil für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und weitere Gesundheitsrisiken.

Zudem erhält die untersuchte Person Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil – etwa zu einer ausgewogenen Ernährung, geeigneter Bewegung oder Stressreduktion.

Es ist sinnvoll, den Gesundheits-Check-up mit dem Screening zur Hautkrebs-Früherkennung zu kombinieren. Diese Leistung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen ebenfalls ab dem 35. Lebensjahr im zweijährigen Rhythmus.

Weitere Maßnahmen

Erweiterte medizinische Verfahren – wie ein EKG bei Verdacht auf eine Herzerkrankung – sind dann angezeigt, wenn sich im Rahmen des Gesundheits-Check-ups Auffälligkeiten zeigen.

Bleiben die Werte unauffällig, genügt ein erneuter Check-up in drei Jahren. Leistungen, die nicht zum gesetzlichen Vorsorgeprogramm zählen, etwa die Bestimmung des PSA-Werts, können auf Wunsch als sogenannte Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) erfolgen und müssen privat bezahlt werden.

Ist der Gesundheits-Check-up sinnvoll?

Der Check-up 35 wurde 1989 eingeführt. Aufgrund einer Cochrane-Studie von 2012 wird er mitunter kritisch betrachtet. Denn die Studie zeigte, dass der Check-up keine signifikante Reduktion der Krankheitshäufigkeit (Morbidität) oder Sterblichkeit (Mortalität) bewirkt. Allerdings ermöglicht die strukturierte Erfassung von Risikofaktoren, Laborwerten und Lebensgewohnheiten eine individuell angepasste Vorsorge.

Statt pauschaler Verfahren befürworten viele Fachleute gezieltere Angebote – etwa Screenings auf bestimmte Erkrankungen wie Krebs.