Symbolbild Kieferklemme oder Kiefersperre: Frau fasst sich an den Kiefer.
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Kieferklemme und Kiefersperre: Ursachen und was tun?

Von: Julia Heidorn (Medizinautorin)
Letzte Aktualisierung: 31.03.2025

Eine Kieferklemme und eine Kiefersperre sind Störungen des Kiefergelenks. Bei einer Kieferklemme können Betroffene den Mund nicht oder nur eingeschränkt öffnen, bei einer Kiefersperre lässt er sich nicht vollständig schließen. Zu den möglichen Ursachen gehören eine Ausrenkung des Gelenks, Zahnprobleme und Infektionen. Was können Betroffene selbst tun und wann ist eine ärztliche Behandlung nötig?

FAQ: Häufige Fragen und Antworten rund um Kieferklemme und Kiefersperre

Die Behandlung einer Kieferklemme hängt von der Ursache ab. Übungen können helfen, das Kiefergelenk wieder beweglicher zu machen. Auch Medikamente kommen zum Einsatz, etwa Schmerzmittel oder Wirkstoffe, die die Muskeln entspannen.

Kiefersperre und Kieferklemme: Was ist das?

Kieferklemme und Kiefersperre sind Störungen des Kiefergelenks, das dadurch in der Beweglichkeit eingeschränkt ist:

  • Als Kieferklemme wird eine Beeinträchtigung der Mundöffnung bezeichnet. Betroffene können den Mund gar nicht oder nicht vollständig öffnen. Oft liegt zudem eine Fehlstellung des Unterkiefers vor.

  • Bei einer Kiefersperre hingegen lässt sich der Mund nicht vollständig schließen. In der Regel tritt die Kiefersperre beidseitig und nur selten einseitig auf.

Beide Beschwerdebilder können im Rahmen einer craniomandibulären Dysfunktion (CMD) auftreten. Hierbei handelt es sich um einen Sammelbegriff für verschiedene Probleme im Bereich des Kiefergelenks.

Symptome bei Kieferklemme und Kiefersperre

Je nachdem, ob eine Kieferklemme oder Kiefersperre vorliegt, unterscheiden sich die Symptome beziehungsweise begleitenden Beschwerden.

Wie äußert sich eine Kieferklemme?

Die Kieferklemme wird in drei Schweregrade eingeteilt:

  • Grad I: Die Bewegungseinschränkung ist minimal bis leicht ausgeprägt.

  • Grad II: Dabei lässt sich der Mund maximal einen Zentimeter öffnen.

  • Grad III: Bei der schwersten Form können Betroffene den Mund höchstens einen Millimeter weit öffnen.

Abhängig von der Ursache können begleitend Schmerzen auftreten, vor allem bei der Mundöffnung. Zudem können von einer Kieferklemme Betroffene manchmal eine spürbare Verkrampfung der Kaumuskulatur wahrnehmen. Darüber hinaus haben sie meist Probleme beim

  • Sprechen,
  • Gähnen,
  • Trinken,
  • Essen und
  • Zähneputzen.

Welche Beschwerden treten bei einer Kiefersperre auf?

Die Kiefersperre ist oft Folge einer Verrenkung (Luxation) des Kiefergelenks. Je nach Ursache kann sie von weiteren Symptomen begleitet werden, etwa Schmerzen oder einem Bluterguss (Hämatom). Auch hier sind Betroffene im Alltag eingeschränkt, da sie beispielsweise nicht mehr richtig kauen können, wenn die Kiefersperre stärker ausgeprägt ist.

Kieferklemme und Kiefersperre: Ursachen der Bewegungseinschränkungen

Eine Kieferklemme und Kiefersperre können beide auf eine Verrenkung des Kiefergelenks zurückgehen. Mögliche Ursachen dafür sind etwa Verletzungen oder starkes Gähnen. Auch wenn der Mund bei einer Zahnbehandlung längere Zeit weit geöffnet werden muss, kann dies eine Verrenkung zur Folge haben. So können Kieferklemme und Kiefersperre etwa nach einer Weisheitszahn-OP auftreten.

Wie entsteht eine Kieferklemme?

Darüber hinaus kann eine Kieferklemme verschiedene Ursachen haben, die nicht immer im Bereich des Kiefers liegen. Zu den möglichen Auslösern gehören:

  • Trismus (starke Verspannung der Kaumuskulatur, etwa durch Entzündungen im Mund- oder Kieferbereich)
  • Zähneknirschen (Bruxismus)
  • Durchbruch der Weisheitszähne
  • starke Entzündung im Kieferbereich bzw. der Zähne
  • Kieferbruch
  • Verletzung der Muskulatur, etwa durch Lokalanästhesie im Rahmen einer Zahnbehandlung
  • Abszess (Ansammlung von Eiter in einem Hohlraum)
  • Diskusverlagerung (verrutschte Knorpelscheibe im Kiefergelenk, ähnlich einem Bandscheibenvorfall in der Wirbelsäule)
  • Gelenkerguss
  • Ankylose (Verwachsung von Knochen- oder Bindegewebe im Gelenk)
  • Kieferfehlstellungen oder -bildungen
  • Tetanus (Wundstarrkrampf)
  • Krampfanfälle
  • schrumpfendes Narbengewebe (Narbenkontraktur)
  • Tumoren im Kieferbereich
  • neurologische Erkrankungen, z. B. eine Hirnblutung, ein Hirntumor oder eine Hirnhautentzündung (Meningitis)

Zudem kann die Kieferklemme als Nebenwirkung einer Strahlentherapie im Kopf- oder Halsbereich auftreten. Auch Medikamente wie Amphetamine, die beispielsweise gegen ADHS zum Einsatz kommen, können eine Kieferklemme als Nebenwirkung haben.

Ursachen einer Kiefersperre

Neben einer Verrenkung können auch eine Fehlstellung des Kiefergelenks und Gelenkverschleiß (Arthrose) zu einer Kiefersperre führen. Ein weiterer möglicher Auslöser ist eine Gelenkentzündung (Arthritis) im Kiefer, beispielsweise durch rheumatoide Arthritis. Dabei handelt es sich um eine entzündlich-rheumatische Grunderkrankung, bei der das Immunsystem körpereigenes Gewebe angreift, in diesem Fall das Kiefergelenk.

Kiefersperre und Kieferklemme: Wann ist ärztlicher Rat notwendig?

Wenn die Beschwerden einer Kieferklemme mehrere Tage anhalten, das Sprechen oder die Nahrungsaufnahme beeinträchtigen oder von weiteren Symptomen wie Schwellungen oder Fieber begleitet werden, ist eine ärztliche Therapie erforderlich.

Bei einer Kiefersperre sollte umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden, da diese fachkundig eingerenkt werden muss.

Auch in den folgenden Fällen ist eine rasche medizinische Beratung erforderlich:

  • Einschränkungen der Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme
  • Fehlstellung des Kiefergelenks
  • Entzündungszeichen wie Rötung, Schwellung und Überwärmung
  • Fieber
  • starke Schmerzen
  • zusätzliche Symptomen, etwa Schwindel, Kopfschmerzen oder Lähmungen

Behandlung: Kieferklemme und Kiefersperre lösen

Da die Kiefersperre zumeist eingerenkt werden muss, ist hier eine zeitnahe ärztliche Behandlung angezeigt. Bei einer Kieferklemme richtet sich die Behandlung nach der Ursache. Bei Trismus, also einer Verkrampfung der Kiefermuskulatur, gehen die Beschwerden in der Regel innerhalb von maximal zwei Wochen von selbst zurück. 

Wie kann man eine Kieferklemme lösen?

Bei einer Kieferklemme aufgrund von Muskelverspannungen kann eine Wärmetherapie hilfreich sein. Liegt dem Problem jedoch eine Entzündung zugrunde, ist von Wärme abzuraten. Daher sollte vorab eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Um die Kieferklemme selbst zu lösen, sollten Betroffene die Muskulatur im Kieferbereich schonen, also beispielsweise weiche Nahrung zu sich nehmen und etwa auf Kaugummis verzichten.

Eine leichte Selbstmassage der Kaumuskulatur rund um das Gelenk herum kann Verkrampfungen lösen. Bei einer Kieferklemme sollten Übungen zunächst unter fachlicher Anleitung erfolgen.

Hier können je nach Ursache verschiedene Medikamente zum Einsatz kommen:

  • nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen und Diclofenac, die Schmerzen lindern und entzündungshemmend wirken
  • Muskelrelaxanzien, welche die Muskulatur entspannen
  • Antibiotika, falls eine bakterielle Entzündung vorliegt
  • Botox (Botulinumtoxin), das die Muskulatur erschlaffen lässt

Wenn Betroffene den Mund nicht weit genug öffnen können, um zu essen, kann vorübergehend Flüssignahrung notwendig sein. In schweren Fällen oder bei immer wieder auftretender Kieferklemme kann eine Operation erfolgen, um die Kieferblockade zu lösen oder das Gelenk bei Bedarf zu ersetzen.

Kiefersperre: Was tun?

Bei einer Kiefersperre durch eine Verrenkung muss der Unterkiefer durch den sogenannten Hippokrates-Handgriff von der*dem Ärztin*Arzt wieder in die richtige Position gebracht werden.

Liegt der Kiefersperre eine andere Ursache zugrunde, wird diese entsprechend behandelt. Bei rheumatoider Arthritis kommen beispielsweise Medikamente zum Einsatz. Auch andere Maßnahmen wie Zahnschienen, Kortisoninjektionen oder ein operativer Eingriff können notwendig sein.

Diagnosemaßnahmen bei Kieferklemme und Kiefersperre

Bei der*dem Zahnärztin*Zahnarzt stehen bei Kieferklemme und Kiefersperre zunächst ein Gespräch und eine körperliche Untersuchung an. Ergänzend können ein oder mehrere bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen, um die Ursache festzustellen:

  • Röntgen
  • Computertomographie (CT)
  • CT-Angiographie zur Darstellung von Blutgefäßen
  • Magnetresonanztomographie (MRT)
  • digitale Volumentomographie (DVT), die dreidimensionale Bilder liefert und
  • Gelenkschäden darstellen kann
  • Videofluoroskopie zur Darstellung des Schluckvorgangs

Bei Bedarf können auch eine Elektromyographie (EMG) zur Feststellung der Muskelaktivität, eine Polysomnographie zur Untersuchung der Atmung sowie Blutuntersuchungen erfolgen.