Eine Frau und ein Mann führen ein ernstes Beziehungsgespräch
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Testosteronmangel bei Mann und Frau: Wie lässt er sich beheben?

Von: Jasmin Krsteski (Biologin und Medizinredakteurin)
Letzte Aktualisierung: 12.01.2022

Das männliche Sexualhormon Testosteron spielt bei Frauen und Männern eine große Rolle. Es beeinflusst unter anderem Muskelkraft, Stimmung und Energiehaushalt. Ein Testosteronmangel entsteht häufig mit zunehmendem Alter, kann aber auch durch Krankheiten oder bestimmte Lebensumstände hervorgerufen werden. Welche Ursachen hat er, welche Werte sind normal und wie lässt er sich beheben?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

FAQ: Häufige Fragen und Antworten zum Testosteronmangel

Testosteron für Männer wird als Medikament verordnet, wenn ein nachgewiesener Mangel vorliegt und Beschwerden wie chronische Erschöpfung, Libidoverlust, Muskelabbau oder Erektionsprobleme verursacht.

Was ist Testosteronmangel?

Testosteron ist als wichtigstes männliches Sexualhormon (Androgen) unter anderem für die Entwicklung der primären und sekundären männlichen Geschlechtsmerkmale und die Spermienproduktion zuständig. Doch es ist nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen von Bedeutung. 

Bei beiden Geschlechtern beeinflusst es:

  • Muskelmasse
  • Knochendichte
  • Stimmung
  • sexuelle Lust
  • Antrieb, Energie und Konzentrationsfähigkeit

Testosteron wird bei den Männern vor allem in den Hoden, bei den Frauen in geringerem Maße in den Eierstöcken und in der Nebennierenrinde gebildet. Da im weiblichen Körper das Geschlechtshormon Östrogen dominiert, kommt es trotz Testosteron normalerweise nicht zur Ausbildung männlicher Geschlechtsmerkmale.

Produziert der Körper zu wenig Testosteron oder kann er es nicht richtig nutzen, kommt es zu einem Testosteronmangel. Dieser kann angeboren sein, sich schleichend über Jahre hinweg entwickeln oder plötzlich auftreten, etwa aufgrund von Krankheiten oder Medikamenten. Wenn der Körper zu wenig Geschlechtshormone produziert, sprechen Fachleute von Hypogonadismus.

Welche Ursachen hat Testosteronmangel?

Ein Testosteronmangel kann Männer und Frauen jeden Alters betreffen – auch wenn er bei Männern ab etwa 40 Jahren am häufigsten auftritt. In jüngeren Jahren wird Testosteronmangel etwa durch Erkrankungen, hormonelle Störungen oder ungünstige Lebensgewohnheiten verursacht.

Ursachen für Testosteronmangel beim Mann

Bei vielen Männern sinkt der Testosteronspiegel ab dem 40. Lebensjahr allmählich, weil die hormonbildenden Zellen erschöpfen – dieser altersbedingte Rückgang wird als partieller Androgenmangel des alternden Mannes (PADAM) oder Altershypogonadismus bezeichnet. Viele Männer bemerken davon nichts oder nur wenig. Bei anderen können spürbare Beschwerden wie die Abnahme sexueller Leistungsfähigkeit auftreten. Von den Männern im mittleren Alter haben 2 bis 13 Prozent einen Testosteronmangel, davon klagen 2bis 6 Prozent über Beschwerden.

Neben diesem natürlichen Rückgang der Hormonproduktion im Alter kommen unter anderem folgende Ursachen für Testosteronmangel beim Mann infrage:

Et­wa 20 bis 40 Prozent der Män­ner mit ei­nem metabolischen Syn­drom haben einen Testosteronmangel.

Ursache für Testosteronmangel bei der Frau

Auch Frauen können einen zu niedrigen Testosteronspiegel entwickeln – meist im Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen oder Erkrankungen. Nach den Wechseljahren sinkt die Testosteronproduktion drastisch, wenn die Eierstöcke ihre Funktion eingestellt haben. 

Neben der hormonellen Umstellung in den Wechseljahren gibt es folgende Gründe für einen Testosteronmangel bei der Frau:

  • Operative Entfernung der Eierstöcke
  • Erkrankungen der Nebennieren oder Hirnanhangdrüse
  • starkes Untergewicht
  • Essstörungen
  • bestimmte Medikamente wie Kortison, Opioide, Chemotherapien oder hormonelle Behandlungen wie die Antiandrogentherapie

Ist ein Testosteronmangel im Alter behandlungsbedürftig?

Manche Betroffene akzeptieren Beschwerden durch einen Testosteronmangel als normale Alterserscheinungen. Tatsächlich ist es jedoch sinnvoll, mögliche Anzeichen ärztlich abklären zu lassen. Denn ein zu niedriger Testosteronspiegel kann nicht nur das Sexualleben und die Stimmung beeinträchtigen, sondern begünstigt auch Übergewicht und chronische Erkrankungen. Beispielsweise kann er sich negativ auf die Gesundheit der Knochen und die Blutbildung auswirken.

Testosteronmangel beheben

Eine Behandlung ist nur notwendig, wenn ein nachgewiesener Testosteronmangel Beschwerden verursacht. In diesem Fall kann nach ärztlicher Absprache eine Testosteronersatztherapie sinnvoll sein.

Testosteronmangel bei Männern behandeln

Es gibt verschiedene Testosteronpräparate in Form von:

  • Tabletten
  • Spritzen (alle 8–12 Wochen)
  • Pflastern
  • Gel (tägliches Auftragen auf die Haut)

Bei Männern mit Kinderwunsch ist bei einer Testosterongabe Vorsicht geboten. Denn diese lindert zwar Beschwerden, kann jedoch die Spermaproduktion negativ beeinflussen. Stattdessen kann eine Hormonbehandlung mit hCG und FSH sinnvoll sein.

Bei einem Prostatakarzinom (Prostatakrebs) oder dessen Vorstufen ist eine Testosteronbehandlung nicht empfohlen.

Hinweis: Von Testosterongaben profitieren nur Personen mit einem tatsächlichen Mangel.

Testosteronmangel: Ersatztherapie bei Frauen

Bei Frauen ist eine Testosteronersatztherapie kein Standard und erfolgt meist off-label mit Präparaten, die für Männer zugelassen sind, in sehr niedriger Dosierung.

Anzeichen für Testosteronmangel bei Männern und Frauen

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen kann ein Testosteronmangel folgende Symptome hervorrufen:

  • sexuelle Unlust
  • Antriebslosigkeit
  • Konzentrationsprobleme 
  • Müdigkeit
  • Reizbarkeit
  • weniger Muskelmasse
  • Zunahme von Körperfett
  • geringere Knochendichte (erhöhtes Risiko für Osteoporose)

Speziell bei Männern mit Testosteronmangel treten diese Beschwerden auf:

  • mangelnde Erektionsfähigkeit
  • verminderte Spermienbildung und dadurch Unfruchtbarkeit
  • Verkleinerung der Hoden
  • Gynäkomastie (Brustdrüsenvergrößerung)
  • weniger Körperbehaarung
  • Hitzewallungen

Typische Symptome bei Frauen mit Testosteronmangel sind:

  • vaginale Trockenheit
  • Zyklusstörungen

Testosteronmangel bei Kindern und Jugendlichen

Mitunter tritt ein Testosteronmangel noch vor der Pubertät auf, etwa weil er angeboren ist oder aufgrund von Verletzungen oder Krankheiten wie Mumps mit Hodenbeteiligung. Dann treten andere Symptome auf als bei Erwachsenen, zum Beispiel je nach Ausprägung:

  • uneindeutige Geschlechtsmerkmale, Mikropenis und nicht tastbare Hoden bei Jungen
  • verzögerter oder ausbleibender Pubertätsbeginn
  • Wachstumsstörungen
  • geringe Knochendichte

Diagnose: Messung des Testosteronspiegels

Richtige Anlaufstellen bei einem Verdacht auf Testosteronmangel sind endokrinologische, urologische oder gynäkologische Praxen. Neben einem ärztlichen Gespräch und einer körperlichen Untersuchung ist vor allem die Bestimmung des Gesamttestosterons im Blut entscheidend für eine Diagnose.

Testosteronmangel anhand des Wertes erkennen

Da die Testosteronwerte tageszeitabhängig sind, erfolgt die Messung immer zwischen 7 und 10 Uhr morgens, wenn die Konzentration von Testosteron am höchsten ist. 

 Gesamttestosteron in Nanomol pro Liter (nmol/l)Interpretation
Männer12 – 35normal
 < 12Hinweis auf Mangel
Frauen0,4 – 2normal
 < 0,4Hinweis auf Mangel
Kinder (vor der Pubertät)0,03–0,32normal
 < 0,03Hinweis auf Mangel

Die Normwerte können je nach Labor leicht abweichen.

Ein gewisser Anteil der Gesamtmenge an Testosteron sollte in freier Form vorliegen, also nicht an das SHBG-Transporteiweiß gebunden sein. Denn Testosteron ist nur in ungebundener Form biologisch aktiv, also wirksam. Dauerstress oder bestimmte Medikamente können dazu führen, dass die Werte außerhalb des Normbereichs liegen. Eine Wiederholung der Messung kann deshalb sinnvoll sein. 

Die Diagnose Testosteronmangel wird jedoch nur gestellt, wenn zeitgleich Beschwerden auftreten. Bei Männern ist dies meist der Fall, wenn der Wert des Hormons unter 8,5 nmol/l sinkt. Bei Frauen lässt sich kein eindeutiger Wert für diese Grenze ausmachen.

Weitere Untersuchungen

Bei auffälligen Werten oder um die Ursache des Testosteronmangels zu finden, können weitere Untersuchungen nötig sein, zum Beispiel:

  • weitere Hormonuntersuchungen (z. B. SHBG, FSH, LH)
  • genetische Untersuchungen, z. B. bei Verdacht auf Klinefelter-Syndrom
  • Ultraschalluntersuchung von Hoden oder Eierstöcken
  • MRT des Schädels bei Verdacht auf Tumor im Gehirn
  • Knochendichtemessung bei Verdacht auf Osteoporose infolge des Testosteronmangels

Lässt sich einem Testosteronmangel vorbeugen?

Einem Testosteronmangel lässt sich nicht immer vorbeugen, vor allem, wenn er genetisch bedingt ist. Dennoch spielen Lebensumstände eine wichtige Rolle und gesunde Gewohnheiten können dazu beitragen, die Hormonbalance lange stabil zu halten. 

Dazu gehören:

  • ausgewogene Ernährung
  • Vermeidung von starkem Über- oder Untergewicht
  • ausreichend Schlaf (Testosteron wird im Tiefschlaf gebildet)
  • regelmäßige Bewegung
  • Verzicht auf Alkohol, Nikotin und Drogen