FSME: Bild von einem Wald mit einem Warnschild vor Zecken.
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FSME: Risikogebiete, Anzeichen und Behandlung

Von: Jessica Rothberg (Medizinredakteurin)
Letzte Aktualisierung: 19.03.2025

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) ist eine akute Entzündung der Hirnhaut, des Rückenmarks und des Gehirns. Auslöser ist eine Infektion mit dem FSME-Virus, das vor allem durch Zecken übertragen wird. Was genau ist FSME? Welche Risikogebiete gibt es und wie kann man sich schützen?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

FAQ: Häufige Fragen und Antworten zu FSME

Stand 2024 zählen zu den FSME-Risikogebieten in Deutschland Bayern und Baden-Württemberg, Sachsen, Südhessen und der Südosten Thüringens. Weiterhin gibt es vereinzelte Landkreise bzw. Stadtkreise im Saarland, der Mitte Hessens, in Niedersachsen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz.

Was ist FSME?

FSME ist eine Viruserkrankung, die vor allem durch Zecken übertragen wird. Dabei kann es zu einer Entzündung des Gehirns (Meningitis), der Hirnhäute (Enzephalitis) und des Rückenmarks (Myelitis) kommen. In den meisten Fällen heilt die Viruserkrankung folgenlos aus. FSME kann jedoch auch schwer verlaufen und bleibende Schäden am Nervensystem hinterlassen oder im Extremfall tödlich enden.

Die Fallzahlen in Deutschland schwanken jährlich: Im Jahr 2012 gab es mit 195 gemeldeten Fällen besonders wenige. 2020 wurden 704 Fälle registriert – der höchste Wert seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001. 2023 lag die Zahl bei 475.

Welche FSME-Risikogebiete gibt es?

Zecken, die FSME-Viren übertragen können, sind in vielen Ländern Europas, Asiens und in Russland verbreitet. Risikogebiete (Endemiegebiete) sind vorwiegend Zentral-, Nord- und Osteuropa sowie China. In Spanien, Portugal, den Beneluxstaaten, Großbritannien und Irland ist FSME dagegen nicht heimisch. Hier gab es entweder keine oder nur vereinzelt Fälle. 

Aktuell, im Jahr 2025, sind laut Robert Koch-Institut (RKI) insgesamt 183 Land- und Stadtkreise in den folgenden deutschen Bundesländern als FSME-Risikogebiete ausgewiesen:

  • Bayern (nahezu flächendeckend)
  • Baden-Württemberg (mit wenigen Ausnahmen)
  • Thüringen (vor allem der Südosten)
  • Hessen (Teile von Südhessen)
  • Sachsen (einige betroffene Landkreise)
  • Sachsen-Anhalt (Stadtkreis Dessau-Roßlau und Landkreis Anhalt-Bitterfeld)
  • Brandenburg (insbesondere der Südosten)
  • Rheinland-Pfalz (z. B. Landkreis Birkenfeld)
  • Nordrhein-Westfalen (z. B. Stadtkreis Solingen)
  • Saarland (z. B. Saarpfalz-Kreis)
  • Niedersachsen (vereinzelte Landkreise, etwa Landkreis Celle oder Emsland)

Die betroffenen Landkreise sind in der Karte der FSME-Risikogebiete des RKI zu finden.

FSME-Risikogebiete breiten sich aus

Zecken breiten sich immer mehr in Gebieten aus, in denen es bislang wenig oder keine der Parasiten gab, etwa in Brandenburg, Mitteldeutschland und Nordrhein-Westfalen. 

Auch in großen Höhenlagen, beispielsweise in den Bergen Österreichs oder Bayerns, fühlen sich Zecken mittlerweile heimisch und somit steigt dort auch das Infektionsrisiko. Forschende vermuten für die Ausweitung der Endemiegebiete klimatische und landschaftliche Veränderungen.

FSME: Welche Symptome sind möglich?

Nur etwa ein knappes Drittel der Infizierten entwickelt Symptome. Erste Beschwerden treten dann meist ein bis zwei Wochen nach Ansteckung auf. Typischerweise verläuft die Erkrankung in zwei Phasen.

Die erste Phase dauert etwa eine Woche und ähnelt einer Grippe mit folgenden Beschwerden:

Sobald das Fieber zurückgeht, sind rund 70 Prozent der Betroffenen geheilt. Bei etwa 30 Prozent der Patient*innen folgt auf eine fieberfreie Zwischenphase von rund einer Woche die zweite Phase der FSME. Dabei kommt es zu einer Infektion des Nervensystems. Die Viren können eine

  • Entzündung der Hirnhäute (Meningitis),
  • Entzündung des Gehirns (Enzephalitis, Encephalitis) und/oder
  • Entzündung des Rückenmarks (Myelitis) hervorrufen.

Erkrankungsformen

In der zweiten Phase hängen die Symptome davon ab, welche Strukturen des Nervensystems infiziert sind. In 40 Prozent der Fälle sind Gehirn und Hirnhäute gleichzeitig entzündet (Meningoenzephalitis). Daneben kommen folgende Erkrankungsformen vor:

  • isolierte Meningitis: alleinige Hirnhautentzündung (circa 50 Prozent der Fälle)

  • Meningoenzephalomyelitis: gleichzeitige Entzündung von Hirnhäuten, Gehirn und Rückenmark (circa 10 Prozent der Fälle)

  • isolierte Myelitis: alleinige Entzündung des Rückenmarks ohne zusätzliche Entzündung des Gehirns oder der Hirnhäute (sehr selten)

Anzeichen einer isolierten Meningitis

Bei einer isolierten Meningitis können in der zweiten Phase folgende Symptome auftreten:

Oftmals klingen diese Beschwerden nach ein bis zwei Wochen folgenlos ab. 

Symptome bei Meningoenzephalitis

Bei einer Meningoenzephalitis sind zusätzlich folgende Symptome möglich: 

  • Bewusstseinsstörungen
  • Probleme bei der Bewegungskoordination (Ataxie
  • Lähmungen der Beine und Arme 
  • Krampfanfälle

Eine Meningoenzephalitis heilt in der Regel innerhalb von ein bis drei Wochen ab.

Wie äußert sich eine Meningoenzephalomyelitis?

Am längsten dauert die schwerste Form von FSME, bei der neben Hirnhäuten und Gehirn auch das Rückenmark infiziert ist. Eine solche Meningoenzephalomyelitis kann bis zu zwei Monate Beschwerden bereiten. Oftmals kommt es zu Lähmungen des Schultergürtels, der Arme und Beine sowie der Hals- und Gesichtsmuskulatur. Möglich sind zudem Störungen beim Schlucken und Sprechen. Wenn eine Atemlähmung entsteht, kann dies tödlich verlaufen.

FSME: Impfung und Tipps zur Vorbeugung

FSME kann durch einige Maßnahmen und Tipps vorgebeugt werden. Insbesondere die Impfung spielt eine wichtige Rolle, aber auch ein Schutz vor Zeckenstichen. 

FSME-Impfung

Die FSME-Impfung (auch Zeckenimpfung genannt) ist eine aktive Immunisierung mithilfe von abgetöteten Viren. Der Impfstoff regt den Körper dazu an, Abwehrstoffe (Antikörper) gegen die Erreger zu bilden. In der Regel sind drei Impfungen nötig, um eine Grundimmunisierung zu erzielen. Eine Auffrischung sollte nach drei Jahren erfolgen, dann nach weiteren fünf Jahren. Kinder erhalten hingegen innerhalb von einem Jahr drei Impfungen. Die Zeckenimpfung schützt vor allen FSME-Viren und bietet den sichersten Schutz. 

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Zeckenimpfung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich in Risikogebieten aufhalten und dort mit Zecken in Kontakt kommen können. Auch bestimmten Berufsgruppen, etwa in der Land- und Forstwirtschaft tätigen Personen, wird ein Impfschutz angeraten.

Allgemeine Schutzmaßnahmen gegen Zeckenstiche

Neben der Zeckenschutzimpfung sollte besonders darauf geachtet werden, einem Zeckenstich vorzubeugen. Folgende Tipps und Maßnahmen können dabei helfen:

  • Risikogebiete meiden: Das RKI aktualisiert jedes Jahr die Gebiete mit einem erhöhten Infektionsrisiko. Diese sollten regelmäßig überprüft und, wenn möglich, gemieden werden. 

  • Kleidung: Bei einem Aufenthalt in Wäldern, hohem Gras, im Gebüsch oder auf Wiesen sollten schützende, lange und helle Kleidung sowie geschlossene Schuhe getragen werden.

  • Zeckenschutzmittel: Es gibt verschiedene Zeckenschutzmittel, etwa in Form von Sprays oder Cremes, die auf Haut oder Kleidung aufgetragen werden können.

  • Kleidung und Körper kontrollieren: Nach jedem Aufenthalt im Freien sollten die Kleidung und der Körper nach Zecken abgesucht werden, insbesondere Hautfalten wie die Achseln, Gesäßfalten oder Kniekehlen.

  • Zecken entfernen: Zeckenzangen, Zeckenkarten oder Zeckenpinzetten sind hilfreich, um den Parasiten möglichst schnell entfernen zu können.

Sobald eine infizierte Zecke ihre Blutmahlzeit beginnt, kann sie die Viren auf Menschen übertragen. Eine saugende Zecke schnell zu entfernen, schützt also nicht immer vor FSME. Sicher kann der Krankheit nur durch eine Impfung vorgebeugt werden.

FSME: Zecken übertragen das Virus

Die Ursache der Krankheit ist eine Infektion mit dem FSME-Virus. Diese Viren gehören zur Familie der Flaviviren, zu denen beispielsweise auch die Erreger des Dengue-Fiebers und Gelbfiebers sowie das West-Nil-Virus zählen. Welche Ansteckungswege gibt es bei der Infektionskrankheit?

Übertragung durch Zecken

Wesentliche Überträger der Viren sind Zecken, in der Regel der gemeine Holzbock. Diese Zeckenart kann ebenso die Erreger, die eine Lyme-Borreliose auslösen, weitergeben. Meist nehmen Zecken die FSME-Viren beim Blutsaugen an infizierten Mäusen auf. Stechen sie dann beispielsweise einen Menschen, können die Viren in dessen Blutbahn gelangen und die Erkrankung verursachen. Nicht jeder Zeckenstich geht jedoch mit einer Infektion einher.

Zecken halten sich bevorzugt in Sträuchern, dicht stehenden Gräsern und im Unterholz bis maximal anderthalb Meter über dem Erdboden auf. Vor allem von März bis Oktober besteht in Risikogebieten eine erhöhte Infektionsgefahr. Etwa 90 Prozent der Patient*innen infizieren sich während ihrer Freizeit. Besonders oft ziehen sich Kinder einen Zeckenstich zu.

Seltene Übertragungswege

In manchen Teilen Europas (vor allem in Osteuropa) kann der Mensch sich auch durch Rohmilch oder Milchprodukte aus nicht-pasteurisierter Milch von Ziegen, Schafen oder seltener von Kühen anstecken (alimentäre Frühsommer-Meningoenzephalitis). In Deutschland spielen Nahrungsmittel bei der Übertragung hingegen kaum eine Rolle.

Inkubationszeit

Eine Zecke kann Viren auf den Menschen übertragen, sobald sie mit dem Blutsaugen beginnt. Ob der Stich eine Erkrankung zur Folge hat, zeigt sich erst nach einer Weile: Bei FSME beträgt die Inkubationszeit – also die Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit – etwa sieben bis 14 Tage, vereinzelt auch bis zu 28 Tage.

FSME: Wie erfolgt die Behandlung?

Eine ursächliche Therapie, also ein wirksames Mittel gegen die Erreger selbst, gibt es bisher nicht. Die Behandlung einer FSME besteht darin, die Symptome durch schmerzlindernde oder krampflösende Medikamente zu reduzieren. Patient*innen sollten sich körperlich schonen und Bettruhe einhalten. 

Wer unter Funktionsstörungen des Nervensystems wie Lähmungen leidet, erhält oftmals Rehabilitationsmaßnahmen wie Physiotherapie, Logopädie oder Ergotherapie. Bei einem schweren Verlauf müssen Patient*innen in der Regel stationär behandelt werden, möglicherweise auch auf der Intensivstation.

Wir wird FSME diagnostiziert?

Zunächst stellt die*der Ärztin*Arzt Fragen zu den genauen Symptomen (Anamnese). Der Verdacht auf eine Infektion mit dem Virus kann sich zum Beispiel aus einem zurückliegenden Aufenthalt in einem FSME-Risikogebiet und einem Zeckenstich ergeben. Oftmals bleibt ein Zeckenbiss jedoch unbemerkt. 

Um eine Frühsommer-Meningoenzephalitis sicher diagnostizieren zu können, sind spezielle Untersuchungen nötig: 

Da bei einer FSME-Infektion eine Meldepflicht besteht, meldet die*der Ärztin*Arzt die betroffene Person dem zuständigen Gesundheitsamt.

Verlauf und Prognose von FSME

Meistens heilt die Krankheit folgenlos aus. Bei einem schweren Verlauf können allerdings bleibende Schäden am Nervensystem entstehen. Wie sich die Erkrankung im Einzelfall entwickelt, hängt vor allem davon ab, welche Strukturen des Nervensystems befallen sind.

  • Meningitis: Sind lediglich die Hirnhäute entzündet, ist die Prognose am günstigsten. Dann heilt die Krankheit meist nach ein bis zwei Wochen aus, ohne Schäden zu hinterlassen.

  • Meningoenzephalitis: Ist neben den Hirnhäuten auch das Gehirn entzündet, heilt die Erkrankung in ein bis drei Wochen ab. In manchen Fällen kommt es vorübergehend oder dauerhaft zu Konzentration-, Gedächtnis- oder Sprachstörungen und zu Lähmungen.

  • Meningoenzephalomyelitis: Bei einer zusätzlichen Rückenmarkentzündung dauert die Erkrankung länger. Viele Betroffenen erholen sich nicht vollständig.

Die Sterblichkeitsrate bei einer Entzündung von Hirnhäuten und Gehirn liegt bei etwa einem Prozent. Kinder haben allgemein bessere Heilungsaussichten als Erwachsene. Die schlechteste Prognose haben ältere Menschen mit Meningoenzephalomyelitis. 

Komplikationen

FSME-Infektionen sind nur selten mit Komplikationen verbunden. Kommt es zu einer Erkrankung und einer zweiten Krankheitsphase, ist bei durchschnittlich zehn Prozent mit einem komplizierten Verlauf zu rechnen. 

Zu den möglichen Komplikationen gehören: 

  • psychische Auffälligkeiten, zum Beispiel Verhaltensstörungen
  • neurologische Störungen wie Lähmungen, epileptische Anfälle oder anhaltende Kopfschmerzen